Kunstschaffende

Justine Salamin

Was bleibt von einem Herzschlag, wenn der Körper verstummt? In 53 pacemakers arbeitet Justine Salamin (sie/ihr) mit Herzschrittmachern, die Verstorbenen vor der Bestattung entnommen wurden. Einst dafür eingesetzt, den Rhythmus eines Herzens aufrechtzuerhalten, werden sie in ihrer Installation selbst zu Klangquellen. Mithilfe eines elektromagnetischen Mikrofons macht Justine die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren elektromagnetischen Wellen der Geräte hörbar. In einem Video bewegt sie das Mikrofon über die verschiedenen Herzschrittmacher und übersetzt ihre Aktivität in tiefe Frequenzen. Doch auch dieser Rhythmus ist endlich: Mit abnehmender Batterieleistung werden die Geräte nach und nach verstummen. Das Verschwinden wird so selbst Teil der Arbeit, in der Körper und Technologie, Anwesenheit und Abwesenheit eng miteinander verbunden sind.



Was hat dich bei deiner ersten Begegnung mit den Herzschrittmachern fasziniert?
Es war ihr Klang und die Tatsache, dass sie aus Körpern entfernt worden waren. Bei einem Kardiologen entdeckte ich, was sie über diese Menschen gespeichert hatten: ihre Identität und Herzdaten, manchmal bis zum Moment des Herzstillstands. Wie eine Blackbox. Von da an konnte ich sie nicht mehr nur als Prothesen betrachten.

Warum war es dir wichtig, ihre elektromagnetischen Wellen hörbar zu machen?
Monatelang bewahrte ich sie bei mir auf und hörte ihnen zu. Ein Alarm weist darauf hin, dass ihre Batterien zur Neige gehen. Daneben erzeugen sie elektromagnetische Wellen, die wir nicht hören können. Auch ihnen wollte ich einen Raum geben.

Was bedeutet es für die Arbeit, dass diese Klänge verschwinden werden?
Das Verschwinden ist Teil der Arbeit. Die Körper verstummen, doch die Herzschrittmacher geben weiterhin einen Rhythmus vor – bis auch sie still werden. Die Arbeit entwickelt sich dadurch unabhängig von der Dauer der Ausstellung.

53 pacemakers, 2024.

L’épreuve des étoiles, 2023.

No is a complete sentence, 2023.