Kunstschaffende

Emilia Trog

Emilia Trog (sie/ihr) arbeitet mit Diamond Painting, einer populären Freizeitbeschäftigung, bei der vorgegebene Farbfelder entlang eines festen Rasters mit kleinen Plastiksteinen besetzt werden. Was nach Kreativität klingt, beruht jedoch auf starrer Wiederholung und präziser Ausführung. Die quadratischen Diamantsteinchen erinnern an Pixel der Digitalfotografie. Die geringe Auflösung wird zum bildgebenden Prinzip.

Die glänzenden, anziehenden Oberflächen von Diamond Paintings bespielen die Grenze zwischen Kunst und Kitsch. So ruft sie beispielsweise die spätkapitalistische Logik des sogenannten Gimmicks in Erinnerung. Gimmicks sind Dinge, die Aufmerksamkeit erregen, einen Mehrwert versprechen und zugleich ihre eigene Überflüssigkeit in sich tragen. Indem Emilia diese Ästhetik als Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung nimmt, richtet sie den Blick auf Prozesse, die das Übersetzen und Entstehen von Bildern begleiten. Die einzelnen Diamant-Pixel werden dabei zu einem beweglichen Bildmaterial, mit dem Emilia unterschiedliche Gesten und Bewegungen sichtbar macht. Digitale Farbinformationen werden reduziert, in ein Symbolsystem übertragen und schliesslich mit einzelnen Strasssteinen auf der Leinwand wieder zusammengesetzt. So wird sichtbar, wie sich ein Bild verändert, wenn es zwischen digitalen und materiellen Bildsystemen übersetzt wird.



Diamond Painting verspricht Kreativität, obwohl Motiv, Farbe und Position jedes Steins bereits vorgegeben sind. Welche Rolle spielt dieser Widerspruch in deiner Arbeit?

Diamond Painting folgt einem beinahe maschinellen Arbeitsprozess: Man setzt Stein für Stein an eine bereits festgelegte Position. Gleichzeitig hat man dadurch gewissermassen jeden einzelnen Pixel selbst in der Hand. Dadurch werden für mich Fragen aufgeworfen, was wir überhaupt als kreative Arbeit verstehen. Gleichzeitig werden die Bilder während ihrer Herstellung immer wieder übersetzt und komprimiert: vom digitalen Bild über verschiedene Farbsysteme und Raster bis zur materiellen Oberfläche. Dabei gehen Informationen verloren, während andere plötzlich sichtbar werden. Dadurch erscheinen Bilder nicht als etwas Stabiles, sondern als etwas, das sich mit jedem Medium und jedem Produktionsschritt verändert. Genau diese Instabilität und die Frage, was am Ende überhaupt noch das Bild ist, interessieren mich.

Konkreter Fotorealismus Img. 2 (Personengruppe I+II), 2025.

Systematischer Nischenkomplex Variation 4.2.1 und 4.2.2, 2025.

Systematischer Nischenkomplex Variation 4.1.2 und 4.1.1, 2025.

Systematischer Nischenkomplex Variation 4.1.1, 2025. Detail

Systematischer Nischenkomplex Variation 4.1.2 und 4.1.1, 2025.