Kunstschaffende

Thy Truong

Thy Truong (they/she) ist Künstler*in und DJ und arbeitet mit Sound, Installation, Skulptur und Performance. Ausgangspunkt ist das Zuhören als Haltung: eine Form der Aufmerksamkeit für das, was in, zwischen und um uns in Bewegung ist.
Im Zentrum ihrer Praxis stehen bikulturelle Identität, die vietnamesische Diaspora in der Schweiz sowie die Spuren von Migration, Kolonialismus und Krieg in Erinnerung und Familiengeschichte. Klang und Material sind dabei eng miteinander verbunden: Texturen, skulpturale Formen und räumliche Anordnungen geben Erinnerungen und Empfindungen eine körperliche Präsenz. In Kodama bezieht sich Thy auf Baumgeister aus der japanischen Folklore. Aus roter Acrylfarbe entwickelt Thy dreidimensionale Formen, in denen sich Malerei aus der Fläche ins Plastische überträgt. Die so entstehenden Körper erscheinen als Träger geisterhafter Kräfte, die alles Lebendige durchziehen. Für die Jungkunst greift Thy die Arbeit erneut auf und beschäftigt sich mit der komplexen, multidirektionalen Energie des Schattens als metaphorischem Zustand des Unterbewusstseins. Erinnerung erscheint dabei nicht als etwas Festes, das bewahrt werden soll, sondern als bewegliche Kraft: geprägt von Verlust und Geschichte und zugleich offen für neue Formen des Werdens.



Versucht deine Arbeit, bestimmte Erinnerungen zu bewahren, oder dürfen sie sich in etwas anderes verwandeln und wenn ja, in was?

Ich möchte, dass sie sich verwandeln. Erinnerungen werden zu Energien des Möglichen – verbunden mit der Hoffnung, sich in verschiedene Richtungen entwickeln zu können. Da Erinnerungen von meinem Unterbewusstsein geformt werden, habe ich nicht vollständig unter Kontrolle, woran ich mich erinnere. Es fühlt sich beinahe wie Magie, Zufall oder Aberglaube an, ist aber eigentlich einfacher: Das Gehirn kann nur bewahren, was wir imstande sind zu tragen. Meine Gefühle entstehen aus Erinnerungen, die durch die Wiederannäherung an Vietnam geweckt wurden. Sie bleiben ungelöst, fühlen sich aber sehr wahr an. Diese Emotionen sind das, woran ich mich festhalten kann; meine Orientierung an der Realität meiner Kindheit, die ich nicht überschreiben möchte.

tiên ơi, tiên à, 2025.

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