Kunstschaffende

Yoonsuk Park

«Form folgt Funktion» – oder so ähnlich. In Yoonsuk Parks (sie/ihr) Arbeiten neigt die Form jedoch dazu, vom vorgesehenen Weg abzukommen. Vertrauten Gegenständen wachsen körperliche Merkmale, sie verlagern ihr Gewicht oder bringen uns dazu, neu darüber nachzudenken, wie wir uns ihnen gegenüber eigentlich verhalten sollen. Die Funktion bleibt bestehen, doch die Regeln sind nicht mehr ganz so stabil.
Yoonsuks Skulpturen untersuchen die Beziehungen, die zwischen Körpern, Objekten und den Menschen um sie herum entstehen. Indem sie die Besuchenden mit den Arbeiten interagieren lässt, bringt sie deren eigene Bewegungen und ihr Gewicht ins Spiel. Gleichgewicht ist daher nie etwas, das, einmal erreicht, einfach bestehen bleibt, sondern ein fortlaufendes Aushandeln: Jede Bewegung führt zu einer neuen Anpassung, jede Verschiebung verlangt nach einer Reaktion.
Vielleicht geht es beim Gleichgewicht weniger darum, stillzustehen, als vielmehr das Wanken zu beherrschen?



Viele deiner Arbeiten bringen  sich gegenseitig unbekannte Menschen zu einer gemeinsamen Erfahrung. Was interessiert dich an diesen Begegnungen?

Mich interessiert, was geschieht, wenn ein vertrautes Objekt seine Funktion verliert und Menschen einen neuen Umgang damit finden müssen. Sind mehrere beteiligt, werden auch die anderen zu Variablen. Ich achte darauf, wie sie ihre Distanz anpassen, kooperieren, Spannung erzeugen und nonverbal kommunizieren – und wie Beziehungen durch Bewegung, Nähe und gegenseitige Anpassung sichtbar werden.

Was verändert sich in dem Moment, in dem Besuchende ihre Schuhe ausziehen, um deine Arbeit vollständig zu erfahren?
Schuhe sind stark sozial geprägte Objekte. Sie auszuziehen kann sich in der Öffentlichkeit intim oder peinlich anfühlen. Ich möchte, dass die Besuchenden dieses kleine Unbehagen spüren und aus einer vertrauten Regel heraustreten, um Körper, Gewicht und Schwerkraft bewusster wahrzunehmen. Stellen sie die Schuhe unter den Tisch, werden sie Teil der Balance – eine persönliche Handlung, die auch die Erfahrung anderer beeinflusst.

The Echo, 2025.

The Echo, 2025.

Make space for both hands, 2025.

That body, born to embrace and to be embraced, 2023.

The skin, transformed by flowing water, 2024.