Kunstschaffende

Naomé Nazire Tahmaz

Die übereinanderliegenden Wachsschichten erinnern an anatomische Modelle und an die Präsentation konservierter Körper in archäologischen Sammlungen. Zwischen wissenschaftlicher Darstellung und organisch wirkender Materialität entstehen Skulpturen, die an Präparate erinnern und zugleich etwas Körperliches bewahren. Ihre organisch wirkenden Oberflächen erzeugen eine Spannung zwischen Anziehung und Ekel und lenken den Blick auf körperliche Prozesse wie Menstruation und Geburt, die gesellschaftlich häufig reguliert, kontrolliert oder tabuisiert werden.

Vier Skulpturen, jeweils in Form eines Uterus, ruhen auf medizinisch anmutenden Metallgestellen. Für die Konstruktion der Uterus-Skulpturen verbindet Naomé Nazire Tahmaz (sie/ihr) zwei unterschiedliche Materialien: Unter mehreren Wachsschichten liegen handgeflochtene Körbe, die den Skulpturen ihre Form verleihen. In Anlehnung an Ursula K. Le Guins Carrier Bag Theory verweist der Korb auf Praktiken des Sammelns, Tragens und Bewahrens. Diese Tätigkeiten lassen sich auch als Formen der Fürsorge lesen, die historisch häufig dem Privaten und weiblich konnotierter Arbeit zugeordnet wurden. Fürsorge und Konservierung begegnen sich in 3 wombs, 4 vessels so als unterschiedliche Praktiken des Bewahrens.




In deiner Arbeit spielt der feministische Body Horror eine wichtige Rolle. Wie bist du zu dieser Bildsprache gekommen und welche Themen interessieren dich daran?

Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass Horror einmal so wichtig für meine Arbeit werden würde. Besonders interessiert mich der feministische Body Horror, weil er den Körper nicht als etwas Perfektes oder Kontrollierbares zeigt, sondern als verletzlich, wandelbar und widersprüchlich. Mich fasziniert dieses Spannungsfeld zwischen Ekel und Anziehung. Gerade körperliche Prozesse wie Schwangerschaft, Geburt, Körperflüssigkeiten werden sichtbar, anstatt verdrängt zu werden. Sie berühren jene Bereiche des Körpers, die kulturell häufig tabuisiert sind und die Grenzen zwischen Innen und Aussen, Vertrautem und Fremdem verschwimmen lassen. Genau diese Ambivalenz interessiert mich. Sie erinnert an Julia Kristevas Konzept des Abjekten, das beschreibt, wie das, was uns abstösst, gleichzeitig eine eigentümliche Faszination auslösen kann. Diese Spannung versuche ich in meinen Arbeiten erfahrbar zu machen.

3 wombs, 4 vessels, 2026.

3 wombs, 4 vessels, 2026.

3 wombs, 4 vessels, 2026.