Kunstschaffende

Mariam Abashidze

Der Komposition liegt ein Raster zugrunde, das zwar Form und Struktur vorgibt und dennoch fragil wirkt. Denn der lasierte Farbauftrag leistet Widerstand gegen die rigide Linienführung in Bleistift. So eröffnen sich biomorphe Bildräume, in denen ein Konflikt ausgetragen wird. 
Mariam Abashidze (they/them) versteht die Werkserie als Porträt der letzten zwei Jahre, die they in der Schweiz verbracht hat. Immer wieder begegnet they unsichtbaren Regeln, administrativen Strukturen und bürokratischen Prozessen, die das individuelle Leben innerhalb der Gesellschaft zu normieren versuchen. Die Serie Baseline ist eine Einladung, Einzelschicksale nicht als Akt des Widerstands zu betrachten, sondern als eine Norm.

Die vier skulpturalen Gemälde erinnern an die Blätter eines Baumes und greifen die zyklischen Veränderungen der Jahreszeiten auf, die unsere Wahrnehmung der Lebensrealität prägen. Mariam arbeitet prozesshaft und entlang den Kreisläufen, die die Natur bestimmen.



Das Raster ist ein wiederkehrender Bestandteil deiner Arbeiten. Welche Bedeutung hat es für deinen künstlerischen Prozess?

Das Raster begleitet meine Arbeit schon seit vielen Jahren. Indem ich über dieses leere Raster male, verweigere ich seine ursprüngliche Funktion. Es werden keine Daten eingetragen, stattdessen überlagern Bewegung, Farbe und Material die vorgegebene Struktur. Darin liegt für mich eine Form des Widerstands gegen normierte Systeme und festgelegte Ordnungen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass jede Linie von Hand entsteht. Kein Raster gleicht dem anderen. Mich interessiert nicht Perfektion oder Wiederholung, sondern die feinen Abweichungen, die sich im Arbeitsprozess ergeben. Sie erinnern mich an natürliche Prozesse, die ebenfalls nie identisch sind, sondern von Variation und Veränderung leben.

My Mother, Rustavi, 2023.

Untitled, 2024.

Production, 2025 und Diagonal line, 2025.