Kunstschaffende

Mahalia taje Giotto


Mahalia Giotto, bekannt als taje (they/them), untersucht, wie Körper dargestellt und gelesen werden. Geprägt von der eigenen Erfahrung als transmaskuline, nichtbinäre Person, versteht taje Intimität als politischen Raum, in dem persönliche Erfahrungen auf gesellschaftliche Strukturen treffen, die beeinflussen, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen.

In on the verge of becoming completely forgotten (incubation) richtet taje den Blick auf Männlichkeit und versteht diese weniger als feste Identität, sondern als einen Zustand, der verkörpert, performt und weitergegeben wird. Der eigene Körper wird dabei zum Ort dieser Auseinandersetzung: zugleich exponiert und nie vollständig zugänglich. Der Wunsch, genauer hinzusehen, trifft auf das Unbehagen, das gerade durch diese genaue Betrachtung entsteht.

Als erstes Kapitel einer Serie eröffnet incubation eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Männlichkeit als etwas, das zwischen Körpern und innerhalb gesellschaftlicher Strukturen zirkuliert, ansteckend sein als auch mutieren kann. Statt nach einem Heilmittel zu suchen, lässt die Arbeit offen, was aus dieser Transformation entstehen könnte.



Welche Autor*innen haben dir dabei geholfen, dir andere Formen von Männlichkeit vorzustellen?

Mir kommen Judith Butler, Leslie Feinberg, bell hooks, Paul B. Preciado und Kae Tempest in den Sinn. Aber meine liebsten Vorbilder sind Mulan oder – etwas düsterer und wahrscheinlich diskutabel – Lisbeth Salander in der Millennium-Reihe. Ich bin ein visueller Mensch und vergesse Namen schnell, so habe ich viele Filme und Serien geschaut und eine beunruhigende Menge Zeit mit World of Warcraft verbracht. Diese Räume halfen mir, mir andere Formen von Männlichkeit vorzustellen und sie für mich zu formen, sodass sie anziehender und weniger gefährlich wirkten.

Hat sich die Art, wie Menschen auf dich reagieren, verändert, seit du als «männlich» wahrgenommen wirst?
Auf jeden Fall, ehrlich gesagt nicht immer zum Besseren. Seit ich männlicher aussehe, habe ich erstmals einen Schlag ins Gesicht bekommen. Weil ich noch weiss, wie es ist, nachts als Frau nach Hause zu laufen, merke ich, wenn Frauen Angst vor mir haben, wenn ich hinter ihnen auf der Strasse gehe, und ich möchte schreien: KEINE SORGE, ICH BIN KEIN MANN, aber ich glaube nicht, dass das helfen würde. Also bleibe ich stehen und tue so, als würde ich telefonieren. Bin mir nicht sicher, ob das hilft.

on the verge of becoming completely forgotten (incubation), 2026.