Kunstschaffende

Leila Ruru Ogbon

In Ohworode setzt sich Leila Ruru Ogbon (sie/ihr) mit ihrer Familiengeschichte und Fragen nach Identität und Zugehörigkeit auseinander. Ausgangspunkt sind Fotografien ihres nigerianischen Grossvaters Richard Ogbon, der von 1988 bis 2023 als zwölfter Ohworode, traditioneller Herrscher von Olomu, amtierte und den sie selbst nie kennenlernte. Nach einer Reise nach Nigeria begann Leila, sich über Bilder, Erzählungen und historische Quellen seiner Geschichte anzunähern. Archivfotografien werden durch experimentelle Drucktechniken und textile Arbeiten in eine persönliche Bildsprache übersetzt. Dabei versucht sie nicht, die Lücken des Archivs mit einer eindeutigen Wahrheit zu schliessen. Vielmehr entsteht ein Raum zwischen Erinnerung, Recherche und eigener Interpretation, in dem sich familiäre Geschichte neu betrachten lässt. Ohworode wird so auch zu einer Suche nach dem eigenen Verhältnis zu Herkunft und Zugehörigkeit.



Welche Bedeutung hat der Prozess der Cyanotypie für dich?

Darin steckt etwas sehr Körperliches. Ich musste mich langsam an Belichtungszeiten und Abläufe herantasten. Dieses vorsichtige Arbeiten wurde für mich auch zu einer Form des Verarbeitens und Sich-Kümmerns um das Erinnerungs- und Fotoarchiv. Beim Auswaschen entstand das Gefühl, Fragen wegzuspülen und durch neue Erkenntnisse abzulösen. 

Was passiert, wenn du eine so persönliche Arbeit öffentlich zeigst?
Ich habe mich gefragt, wie andere die Arbeit wahrnehmen, obwohl sie die Person und Geschichte nicht kennen. Gerade dadurch können aber eigene Erinnerungen bei den Betrachtenden entstehen. Dieses kleine Auslösen von etwas, was auch immer es sein mag, suche ich immer wieder in meinen Arbeiten.

Ohworode, 2025. Detail

Ohworode, 2025.

Ohworode, 2025. Detail

Ohworode, 2025. Detail.