Kunstschaffende

Julien Fournival

Was bleibt von einem Gegenstand, wenn er seinen Ort, seine Funktion oder seine Zugehörigkeit wechselt? Julien Fournival (er/ihm) spürt diesen Transformationsprozessen nach. An der Schnittstelle zwischen Häuslichem und Symbolischem entwickelt er Arbeiten, die das Intime zum Ausgangspunkt gemeinsamer Wechselerfahrung machen. Die hölzernen Module sind zugleich Behälter, Rahmen, Lebensräume und Sockel. In ihnen befinden sich gefundene oder geschenkte Gegenstände, die abgeformt als Kopien ihre Form bewahren, ohne mit dem Original identisch zu sein. Julien lädt sie mit Assoziationen auf: mit Erinnerungen, Wertzuschreibungen und einem Stück Aberglauben. In ihrer Verbindung treten die Module in Beziehung zueinander und die Betrachtenden entwickeln ihre eigenen Geschichten. Ein ähnlicher Vorgang, wie wenn wir uns etwas wünschen, ein schlechtes Omen meiden, eine Zahl wählen oder einen Gegenstand mit uns führen: Handlungen, die auf einer nicht nachweisbaren Kausalität beruhen, denen wir aber dennoch einen Wert beimessen.



Wie wählst du ein Objekt aus, das Teil einer Installation werden soll?
Ich fühle mich zu leicht transportierbaren Objekten hingezogen, etwa zu solchen, die in eine Hand oder eine kleine Tasche passen. Diese Grösse weckt Assoziationen zu Zirkulation und Austausch. Ich interessiere mich für Objekte unabhängig von ihrem potenziellen Marktwert für ihre Eignung, zu Geschenken zu werden. Ein ausgewähltes Objekt wird zum Ausgangspunkt oder zu einem von vielen Gliedern in einer Kette von Beziehungen. Ich interessiere mich weniger für das Objekt als eigenständige Einheit, denn für die Beziehungen und Geschichten, die sich um es herum ansammeln können.

Bist du abergläubisch?
In meiner Arbeit verstehe ich Aberglauben als Möglichkeit, sich vorübergehend auf Systeme einzulassen, deren Funktionsweisen den meisten Menschen unklar bleibt. Dadurch entsteht ein Raum, in dem ich Grauzonen ausloten oder mich in ihnen bewegen kann, ohne dass sie präzise Strukturen erfordern. Mich interessiert, dass er dem Zufall ebenso viel Bedeutung zugesteht wie den rigideren Wertesystemen, die einen grossen Teil unserer gesellschaftlichen Strukturen bestimmen. Aberglaube muss dabei nicht zwangsläufig aus dem Glauben an etwas Irrationales hervorgehen. Vielmehr geht es darum, Raum für Möglichkeiten zu lassen, die sich nicht vollständig messen oder kontrollieren lassen.