Kunstschaffende

David Dragan

Graben, kreisen, fallen, wiederholen. In rumination bewegt sich ein Körper durch wiederkehrende Zustände, deren Rhythmen und Intensitäten sich fortlaufend verändern. Die Solo-Performance reagiert auf den jeweiligen Ort und das Publikum. Die Umgebung wird Teil der Arbeit und beeinflusst, wie Bewegung entsteht und wahrgenommen wird.
Ausgehend vom Zustand des Grübelns, dem wiederholten Kreisen um Gedanken und Erfahrungen, fragt die Performance nach dem Verhältnis von Kreativität, Arbeit und Produktivität. Wiederholung wird zur körperlichen Spur eines Alltags, in dem der Druck, aktiv, sichtbar und produktiv zu bleiben, zunehmend verinnerlicht wird. Statt fortwährend Neues hervorzubringen, beginnt David Dragan (keine/they/them) zu graben: auf der Suche nach dem, was sich bereits im Körper abgelagert hat. Gewohnheiten, Erwartungen und Gesten werden freigelegt, wiederholt und verändert. Der Körper wird zum Archiv gesellschaftlicher Anforderungen und zugleich zu einem Ort, an dem diese Ordnungen an ihre Grenzen geraten.



Der Körper erscheint in deiner Arbeit als Speicher von Erinnerung. Wie können sich vergangene Erfahrungen in Bewegung und Körperlichkeit einschreiben?

Mich interessiert, wie Erinnerungen im Körper weiterleben, auch wenn sie nicht mehr bewusst abrufbar sind. Vergessene Momente oder generationenübergreifende Erfahrungen können sich in kleinsten Gesten einschreiben. Trauma verändert sich mit der Zeit, fast wie eine Haut, die sich ablöst, verschwindet aber nie vollständig. Der Körper trägt diese Spuren weiter und ist für mich deshalb zugleich fragil und widerstandsfähig.
In meiner Arbeit versuche ich, jene flüchtigen Momente festzuhalten, in denen solche Spuren körperlich erfahrbar werden. Performance ermöglicht mir, unterschiedliche Zeitebenen im Körper aufeinandertreffen zu lassen. Dabei geht es auch um mentale Gesundheit und queere Existenz und um die Frage, wie Erfahrungen, die vielleicht nicht unmittelbar sichtbar sind, durch eine kleine Geste oder eine stille Bewegung körperlich erfahrbar werden können.

cave of noises, 2025. In collaboration with Sagil Md. Amin.

cave of noises, 2025. In collaboration with Sagil Md. Amin

from fright to fear, 2026. With Maren Sauer, Ilaria Rabagliati and Sagil Md. Amin

rumination, 2026.