Kunstschaffende

Carla Blanca Corminboeuf

Carla Blanca Corminboeuf (sie/ihr) untersucht, wie kulturelle Erinnerung durch Bewegung, Rituale und Bilder weitergetragen wird. Ausgehend von ihrem peruanischen Erbe beschäftigt sie sich in ihrer fotografischen Praxis mit Themen wie kollektivem Gedächtnis, Identität und gelebter Tradition.
Bei Jungkunst zeigt sie Arbeiten aus Castillos, einer Serie über die hohen pyrotechnischen Türme, die im Zentrum peruanischer Feierlichkeiten stehen. Mit Feuerwerkskörpern bestückt, werden diese aufwendig konstruierten Gebilde inmitten gemeinschaftlicher Feste entzündet, bei denen Familien, Tänzer*innen und Musiker*innen zusammenkommen. Für Castillos filmt Carla diese Feierlichkeiten und wählt anschliessend einzelne Bilder aus den Aufnahmen aus, die zu fotografischen Arbeiten werden. Ihre Bilder kehren zu Strukturen zurück, die für ein einziges Fest errichtet, zusammengesetzt und mit Feuerwerk entzündet werden – ein Spektakel, das innerhalb weniger Minuten wieder vorbei ist.



Was hat dich an den Castillos zuerst fasziniert?
Mich hat nicht nur die Struktur selbst fasziniert, sondern auch der Prozess ihrer Verwandlung. Die Feste finden meist nachts statt, doch die Castillos entstehen schon viel früher, manchmal sogar am Vortag. Im Laufe des Tages fügen sich einzelne Teile zu einer Struktur zusammen, die in den Himmel zu wachsen scheint. Mich interessiert dieser Übergang von verstreuten, temporären Elementen zu einem monumentalen Objekt.

Tanz ist ein wiederkehrender Bestandteil deiner Praxis. Wie fliesst er in deine Arbeit ein?
Tanz ist ein zentrales Element der Feierlichkeiten in Peru, und ich sehe eine starke Verbindung zu den Castillos. Beides lässt sich als Choreografie verstehen: beim Tanz durch die Bewegungen des Körpers, beim Castillo durch das Zusammensetzen und Aktivieren seiner Elemente. Mich interessiert, wie einzelne Teile zusammenkommen und eine grössere, kollektive Choreografie bilden.

Was bleibt dir nach dem Fest besonders in Erinnerung?
Neben der Helligkeit des Feuerwerks begleitet ein ganz eigener, intensiver Klang das Spektakel. Die verschiedenen Phasen des Castillos entfalten sich fast wie eine Choreografie: Auf plötzlichen Lärm folgen Momente der Stille, bevor die nächste Sequenz beginnt.

Al fondo hay sitio 1, 2025. Installation view at Dreiviertel Artspace.

Al fondo hay sitio 2, 2025. Installation view at Dreiviertel Artspace.

Castillo 2, 2025.

No te olvides (Don't forget), 2025.